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31.12.2014 - Altjahrsabend - Matthäus 13,24-30 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext 31.12.2014 Gö/Volk: Matthäus 13,24-30:

24 Jesus legte seinen Jüngern ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.
25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.
26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut.
27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?
28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten?
29 Er sprach: Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.
30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.

Liebe Gemeinde!

Das Gefühl kenne ich! Und du wahrscheinlich auch. Da hat man sich bemüht, hat sich viele Gedanken gemacht, wie man eine Sache angeht, damit sie zu einem guten Ende kommt. Und hatte dann auch das Gefühl, dass man es ganz gut hinbekommen hat, - dass etwas gelungen ist, - doch am nächsten Morgen steht man auf, - und all das, was so sorgfältig geplant und so mühevoll ins Werk gesetzt wurde, entpuppt sich als ein einziger Scherbenhaufen. Alles verdorben, kaputt, Schutt und Trümmer.

Das hat ein Feind getan!“ Anders kann es ja gar nicht sein. Da waren zerstörerische Kräfte am Werk, - was wir so schön aufgebaut haben, hat der Feind verdorben. Wer denn sonst?!

Da mag nun der eine oder andere auf dieses Jahr zurückblicken. Und es im Spiegel dieses Gleichnisses wieder erkennen. Ja, so war es wohl: Wie bei einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Gutes hatten wir uns vorgenommen. Sorgfältig geplant, - behutsam - aber auch beharrlich dafür gearbeitet. Und manches, nein vieles ist sicher auch gelungen. Das sollten wir jetzt nicht übersehen oder vergessen. Lasst uns ruhig mal zurückblicken, und darauf schauen, was in diesem Jahr gelungen ist. Ich hab mir das angewöhnt, am Ende einer Woche zurückzuschauen und mich zu fragen: Was habe ich diese Woche gelernt?

So können wir auch ein Jahr ansehen und fragen: Was habe ich gelernt, was habe ich erreicht, was ist gelungen. Das hat ja durchaus nicht nur die Dimension, dass ich mir selber auf die Schulter klopfe, - sondern ich kann ja auch fragen: Wo habe ich da den Segen Gottes erfahren? Was hat er mir geschenkt? Wo hat er die Dinge gut werden lassen? Was läuft gut – und woran kann ich mich freuen? Ich freue mich – wenn ich an die Gemeindearbeit denke – im Rückblick auf dieses Jahr besonders an der „Expedition zum Anfang“ und an der Schatzsuche zum Thema Ewigkeit – und an dem großen Weihnachtskonzert, auch wenn uns das in der Vorbereitung manchmal an unsere Grenzen geführt hat.

Aber dann kommen eben auch die anderen Positionen der Bilanz in den Blick: Das, was nicht gelungen ist. Die Rückschläge. Das Missglückte. Träume, die geplatzt sind. Visionen, die sich nicht erfüllt haben. Enttäuschungen. Berufliche Misserfolge mögen das sein, - oder gesundheitliche Rückschläge. Nöte in der Beziehung, die sich nicht gelöst haben. Sorgen in der Familie. Dinge, die wir mit großer Lust und großem Eifer angegangen haben, - und die dann doch nicht gut geworden sind. „Warum es so viel Leiden, so kurzes Glück nur gibt? Warum denn immer scheiden, wo wir so sehr geliebt? So manches Aug gebrochen und mancher Mund nun stumm, der erst noch hold gesprochen: du armes Herz, warum?“ - fragt Eleonore Reuß in dem Lied „Das Jahr geht still zuende“. Und gibt die etwas traurige Antwort: Unsere Welt, die ist eben so. Da gehört das dazu, Abschied, Misserfolg, Dornen und Disteln, jenseits von Eden. „Dass nicht vergessen werde, was man so gern vergisst: dass diese arme Erde nicht unsre Heimat ist.“ Das ist dabei das Tröstliche: „Hier gehen wir und streuen die Tränensaat ins Feld, dort werden wir uns freuen im sel’gen Himmelszelt.“

Tröstlich – möchte ich sagen – ist in gewisser Weise auch das Gleichnis mit dem empörten Ausruf: „Das hat der Feind getan“. Tröstlich, weil ich Misserfolge nicht unbedingt als mein Versagen ansehen muss. Wenn etwas nicht gelungen ist, lag es womöglich nicht daran, dass ich zu schwach oder zu blöd war, - sondern dass böse, zerstörerische Mächte dazwischengefunkt haben, die das Gutgemeinte und Gutgedachte nicht haben zum Ziel kommen lassen. Aber wie dem auch sei: Wischen wir das nicht beiseite, unsere Enttäuschungen, unseren Schmerz. Das dürfen wir – wie den Dank – vor Gott ausbreiten und beim Namen nennen.

Dass es im Himmelreich ähnlich zugeht, das überrascht nun allerdings. Dass dem Feind so viel Raum gelassen wird, - so freie Hand, sein böses Spiel zu treiben, - das würde man vielleicht nicht unbedingt erwarten, da, wo Gott das Sagen hat. Da erzählt Jesus also von „einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut.“ - Dass Gott sich das gefallen lässt, - das überrascht. Jesus gibt wenig später übrigens höchstselbst eine Deutung dieses Gleichnisses: „Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der es sät, ist der Teufel.“

Der ist also längst noch nicht ausgeschaltet, - aber wen wundert das, ein Blick in unsere Welt genügt, uns klarzumachen, dass wir mit ihm rechnen müssen.

Aber noch einmal: Diese Nachricht – so schlimm sie auch ist – hat auch etwas Entlastendes. Ich denke an die Eltern, die ihr Bestes getan haben, um ihre Kinder auf den Weg des Glaubens zu führen. Ich denke an engagierte Gemeindeglieder, die unendlich viel Zeit und Kraft investieren, um missionarisch in ihrer Umwelt zu wirken, - die sich nichts mehr wünschen, als dass die Gemeinde wächst, - und oft sehen wir nur Misserfolg. Vielleicht haben wir in unserem Bemühen ja wirklich auch manches falsch gemacht, wer wollte das ausschließen. Aber wir haben es eben in allem Bemühen auch mit einer Macht zu tun, die solche Erfolge nicht zulassen will. „Wo Gott eine Kirche baut, da baut der Teufel eine Kapelle daneben“, hat Martin Luther einmal gesagt, - und: „Mit unserer Macht ist nichts getan.“ Das müssen wir wohl akzeptieren, so schwer es auch fällt.

Die Erfahrung, die die Kirche gemacht hat und die sie im Spiegel des Gleichnisses wieder findet, ist ja die: So eine Gemeinde, das ist ein „Corpus permixtum“, wie es in der Augsburger Confession in Artikel 8 heißt: „Die Kirche ist die Versammlung der Heiligen und wahrhaft Glaubenden. Dennoch ist die Kirche ein corpus permixtum, ein „durchmischter Körper“, da sich in ihr auch Heuchler und Schlechte finden.“ Und zu allen Zeiten war die Versuchung groß, diesen durchmischten Körper zu reinigen, - und die auszuschließen, von denen man meinte, dass sie nicht wirklich dazugehören. So ist das auch hier:

Die Knechte, also offenbar die, die Jesus mit der frohen Kunde von der Gnade Gottes hinausgesandt hat in die Welt, die wollen sich das nicht gefallen lassen, dass ihr schönes Werk so verdorben wird: „Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.“

Im Studium habe ich gelernt, dass es sich bei diesem Unkraut um den Taumellolch handelt, ein giftiges Gras, das in seiner Wachstumsperiode lange Zeit nicht wirklich gut vom Weizen zu unterscheiden ist. Die Gefahr wäre also groß, dass die Knechte das Falsche ausreißen. Darum sagt Jesus entschieden: „Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet!“

Das ist unserem klaren Urteil also verborgen: wer die wahrhaft Glaubenden und wer die Heuchler und die Schlechten sind. Und ich meine auch: Es ist unserem klaren Urteil wohl auch verborgen, selbst im Rückblick manchmal, was Erfolg und was Misserfolg war. Wissen wir denn wirklich so genau, ob und wann die Saat aufgeht, die wir ausgebracht haben? Wissen wir wirklich, was giftiges Gras und was fruchtbarer Weizen ist? Wir haben unser Bild, unsere Vorstellung davon, aber die Reformatoren wussten nur zu gut, dass der Glaube eine Sache ist, die im Verborgenen lebt, - niemand von uns kann dem andern ins Herz schauen. Darum könnte es allzu voreilig sein, wenn wir einen Menschen abschreiben, oder ein Ereignis des zurückliegenden Jahres als Fehlschlag abbuchen. Wer weiß, was daraus wachsen kann – wenn Gott es will?!

Jesus sagt: „Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.“ Und das ist ein guter Rat, auch für den Blick auf unser Leben: Überlass das Urteil darüber, was wertvoll war und was wertlos, getrost Gott. Vieles wird in seinen Augen ganz anders aussehen als wir meinen. „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.“

Was bleibt? Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Warum nicht? Auf jeden Fall ein guter Rat, und auch der kommt musikalisch daher: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“ Amen.