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24.12.2014 - Heiligabend - Jesaja 9,1-6 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext Heiligabend 2014 (neue Perikopenordnung) Gö/Volk: Jesaja 9,1-6 - Bildpredigt zu einer Radierung von Rembrandt: Anbetung der Hirten

 

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Jesaja 9,1-6
1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.
3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Liebe Gemeinde!

Dieses Motiv, das wir auf dem Gottesdienstblatt sehen, „Die Anbetung der Hirten“, hat Rembrandt immer wieder gemalt, - mal in Öl auf Leinwand, mal als schwarz-weiße Radierung, so wie hier, bei dieser, wohl der ersten Radierung, die um 1652 entstanden ist. Es zeigt eine dunkle Szene, die mich insofern angesprochen hat, als es ja in unserem Predigttext um das Volk geht, das im Finstern wandelt.

Rembrandt ist ein Meister der Lichtführung, das sehen wir auch hier. Die Szene wirkt, als käme der Besuch der Hirten für die Eltern völlig überraschend. Maria hat sich bereits, in eine Decke gehüllt, neben dem Kind niedergelegt, Joseph schaut verblüfft von der Lektüre eines Buches auf. Das Licht der Laterne lässt Marias Gesicht aufleuchten, ebenso das kleine Gesicht des Neugeborenen. Schüchtern lupft der Hirte im Zentrum des Bildes zum Gruße seinen Hut. Im matten Schimmer seiner Laterne zeichnen sich links die Umrisse einiger Kühe ab. Im Hintergrund erkennt man weitere Hirten, große und kleine, die zum Teil offenbar leise miteinander diskutieren.

Was mich beeindruckt, ist die totale Schlichtheit dieser Szene. Keine Heiligenscheine, keine singenden oder verkündigenden Engel, keine himmlische Musik. Rembrandt zeigt die ganz irdische Wirklichkeit ganz gewöhnlicher Menschen in einem kargen Stall. Wären die Hirten nicht gekommen, das ganze Bild wäre dunkel, bis auf das kleine Licht, das Joseph sich zum Lesen des Buches angezündet hat.

Das Volk, das noch im Finstern wandelt - bald sieht es Licht, ein großes Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.“ So heißt es in einem adventlich-weihnachtlichen Lied von Jürgen Henskys, „steh und lausche, weil Gott handelt“. - Das genau ist hier nämlich gar nicht so offensichtlich, dass Gott handelt. Dass da gerade große, ja unfassbare Dinge geschehen. Ein Mantel der Dunkelheit und des Geheimnisvollen liegt über dem Geschehen in diesem Stall, - nur ganz vorsichtig lugt eine sehr irdische Maria unter ihrer Decke hervor, - während Joseph – lesend – auf Mutter und Kind achtgibt.

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ Mir sind da spontan die Hirten eingefallen, - als solche, die das Volk, das im Finstern wandelt, so gut repräsentieren. Sie hüteten des Nachts ihre Herden, - heißt es, da haben sie in der Dunkelheit gesessen, das einzige Licht vermutlich das ihres Lagerfeuers.

Arme Leute waren sie, Tagelöhner zumeist, und obwohl „Hirte“ im Alten Testament auch ein Königsprädikat ist, und sogar Ehrenname Gottes, „Du Hirte Israels, höre!“ - war es um die Ehre und das Ansehen der irdischen Hirten nicht so gut bestellt, - man traute ihnen nicht über den Weg, allzu leicht war es für sie, ein paar Schäfchen zu stehlen und zu behaupten, sie seien von wilden Tieren zerrissen worden oder sie hätten sich verlaufen. Weit unten stehen sie im Ansehen der Menschen. - Und dann sehen ausgerechnet sie plötzlich ein großes Licht, die Klarheit des Herrn umleuchtete sie – nicht die Hohenpriester in Jerusalem. Und dann ist da was los, am Himmel: Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland, der Retter geboren, Christus, der Herr. Gloria in excelsis, Ehre sei Gott in der Höhe.

Es ist schon ein bisschen kurios, dass es nun ausgerechnet die Hirten sind, die Licht in den dunklen Stall bringen. Wo doch eigentlich das Kind im Stall das Licht zu ihnen, in ihr Leben bringen soll.

So ganz und gar im Verborgenen fängt es an, was wir heute als Zeitenwende bezeichnen. „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich.“

Von all dem ist in diesem Kind zunächst mal nichts zu sehen, - doch die Hirten bringen das Licht mit, sie haben die Botschaft der Engel ja gehört, - sie wissen, oder könnten jedenfalls wissen, wenn sie's denn glauben, was das da im Stall zu bedeuten hat, noch einmal in den Worten von Jürgen Henskys: „Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen, wo Tod den schwarzen Schatten wirft: Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft euch jetzt nicht mehr verlassen wähnen. ... Die Liebe geht nicht mehr verloren. Das Unrecht stürzt in vollem Lauf. Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: »Uns ist ein Kind geboren!« / Man singt: »Ein Sohn ist uns gegeben, Sohn Gottes, der das Zepter hält, der gute Hirt, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben.« ... Dann wird die arme Erde allen ein Land voll Milch und Honig sein. Das Kind zieht als ein König ein, und Davids Thron wird niemals fallen. / Dann stehen Mensch und Mensch zusammen vor eines Herren Angesicht, und alle, alle schaun ins Licht, und er kennt jedermann mit Namen.“ Amen.