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26.12.2014 - 2. Weihnachtstag - Johannes 1

Predigttext Weihnachten 2014 (neue Perikopenordnung)Gö/Volk: Joh 1,1-5.9-14.16-18
mit einer Bildpredigt zu Beate Heinen, Gott ward Mensch

s. http://www.ars-liturgica.de/verlag/shop/shop/artikelbilder/404739.jpg 

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.
3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.
9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben,
13 die nicht aus dem Blut / noch aus dem Willen des Fleisches / noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.
14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

 

Liebe Gemeinde!
Ein Weihnachtsbild: „Gott wird Mensch“ - von Beate Heinen gemalt - ganz ohne Krippe und Stall. So, wie ja auch der Evangelist Johannes von Weihnachten erzählt, ganz ohne Krippe und Stall. Weihnachten, in vier Worten hoch konzentriert: „Das Wort ward Fleisch“. Doch um das sagen zu können, was er sagen will, muss er ganz weit ausholen, muss er ganz an den Anfang der Geschichte. Eigentlich noch weiter, dahin nämlich, wo es noch gar keine Geschichte gab: vor aller Zeit und Welt.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“

Das ist weit weg, wenn wir ehrlich sind: weit jenseits der Grenzen unserer Vorstellungskraft. Und fordert uns heraus, das irgendwie zusammenzubringen, das Kind in der Krippe, - und das, was unser Bekenntnis über den Jesus Christus auch und eigentlich sagt: Gott von Gott, Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater.
Und das, dieses Große, Unfassbare dann auch noch in Beziehung zu setzen zu uns selbst. Eben dazu mag das Bild von Beaten Heinen eine Hilfe und Brücke sein.

Im Anfang war das Wort“. So beginnt Johannes sein Evangelium. Aber nicht, wie Shakespeare meint: „Worte, Worte, nichts als Worte.“ Leere Worte. Sondern: „Alle Dinge sind durch das Wort gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ - „Am Anfang“ der Geschichte, die uns schließlich an die Krippe von Bethlehem führt, „schuf Gott“ – durch sein schöpferisches Wort – „Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“

Der Geist Gottes, - ich sehe eine Taube, Symbol des Geistes Gottes, und höre sein Wort bei der Taufe Jesu, wo der Geist wie eine Taube beschrieben wird, die aus dem Himmel herab fährt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.“

Doch zunächst fällt mein Blick auf die Gestalt, die am Boden liegt. Dunkel ist sie, wie der ganze untere Teil des Bildes dunkel ist. Ein Mensch liegt da, mit angezogenen Beinen, er scheint zu schlafen. Auf den ersten Blick wirkt er friedlich, doch dann entdecke ich Fesseln, Fesseln aus Stacheldraht an Händen und Fußgelenken.

Nein, der liegt da nicht friedlich schlafend, das ist ein Gefangener, ein Gefolterter, ein Gequälter. Das mag man aktuell politisch verstehen, angesichts all der Gräueltaten, die wir in jüngster Zeit zu sehen bekommen haben. Wir können es aber auch theologisch deuten, als Aussage über den Menschen vor Gott, so wie Paulus es tut: Der Mensch, der unter dem Gesetz ist, - unter der Forderung Gottes, unter seinem Gebot, - und der doch dieses Gebot niemals erfüllen kann. Da ist keiner, der gerecht wäre, auch nicht einer. Der Mensch unter der Knechtschaft der Vergänglichkeit, ein Gefangener, ein Verlorener.

Der adventliche Ruf kommt einem in den Sinn: Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt.“ Oder: Herr, schau doch herab aus deiner heiligen Höhe, sieh doch vom Himmel auf die Erde, hör doch das Seufzen der Gefangenen und erlöse die Kinder des Todes.“

Dieser Mensch liegt auf der Erde, - und alles deutet darauf hin, dass das tatsächlich unsere Erde sein soll: So wölbt sich über ihm eine helle Schicht, so etwas wie eine Atmosphäre, und so bekommt dieses Bild etwas sehr Grundsätzliches, es ist „Adam“, der da liegt, der Mensch schlechthin, stellvertretend für die ganze Menschheit, die gefangen ist in Finsternis und Schatten des Todes. - Und doch streifen ihn schon Lichtstrahlen, streift ihn „die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe“.

Denn eine weitere gekrümmte Linie bestimmt das Bild, umgekehrt ihre Krümmung, wie Erde und Sonne, so verhalten sich die beiden Sphären, die der Dunkelheit und die des Lichts. Himmel und Erde kommen einander ganz nah, wollen sich berühren, und da, wo sie an einander stoßen, ist das Kind. In seiner Haltung ähnelt es deutlich dem zusammengekauerten Gefangenen. Doch dieses Kind ist nicht gefangen, trägt keine Ketten, keine Fesseln, es ist frei. Und geht doch ein in die menschliche Natur. Gott wird einer von uns. Für mich klingt Philipper 2 hier an: „Er, der in göttlicher Gestalt war, entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“ Der Geist Gottes schwebt hier nicht in sich ruhend oder sonstwie auf dem Wasser, sondern kommt wie im Sturzflug auf die Erde: „Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde.“

Mit der Taube, dem Symbol für den Geist Gottes, wie verschmolzen erkenne ich eine Hand. Einen Finger, der das Kind berührt, - als wollte er es in den kauernden Menschen hineindrücken.

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ „Gott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen?“ - Johannes ist da ja sehr skeptisch, - oder sollten wir besser sagen: realistisch? „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Aber das will Beate Heinen mit ihrem Bild nicht erzählen. Die Reaktion der Menschen ist hier nicht ihr Thema, - sondern allein das, was Gott getan hat – das Wunder der Weihnacht. Dass Gott auf die Erde kommt, - das Gott Mensch wird. „Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein.“ Um uns zu erlösen tut er das, um uns zu erlösen von der Knechtschaft der Vergänglichkeit, uns frei zu machen von allem, was uns in Ketten legen will:

Gott hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen.“ Mit diesem Wort aus Jesaja 61 wird Jesus später seine Mission beginnen, - seine erste Predigt in Nazareth – so überliefert es Lukas – hat diese eine zentrale Botschaft: „Heute ist dieses Wort, das die Befreiung der Gefangenen verheißt, erfüllt vor euren Ohren.“

Weihnachten – ganz ohne Krippe und Stall. Weihnachten – nicht in die Armut eines Stalles eingezeichnet, sondern in die Fülle des ewigreichen Gottes, aus der wir Gnade um Gnade empfangen: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Das erzählt Beate Heinen auf ihre Weise – und bringt vielschichtig das biblische Zeugnis zum Leuchten: Da klingt Galater 4 an: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“

Und da ist die Geschichte, die am Anfang so ganz weit weg war, plötzlich ganz nah, ist plötzlich meine und deine Geschichte. Nicht mehr nur das Kind in der Krippe ist das Weihnachtswunder, sondern dass wir durch dieses Kind selber Kinder Gottes werden und sind: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut / noch aus dem Willen des Fleisches / noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ So hatte es Johannes am Anfang seines Evangeliums geschrieben, - bei Paul Gerhardt klingt das dann so: „Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht’, wie schön sind deine Strahlen!“ Und fast noch inniger, zärtlicher lässt Gerhard Teerstegen uns singen und beten: „Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren, komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! Wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir, der du mich liebend erkoren.“ Amen.