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30.11.2014 - 1. Advent - Matthäus 21, 1-11 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext 30.11.2014, 1. Advent Gö/Volk: Matthäus 21,1-11

1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!
3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.
4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):
5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.
8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der?
11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Liebe Gemeinde!
Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte – sagt man. Zumal dann, wenn es Tausend geschriebene Worte sind, und die, die sie empfangen sollen, nicht lesen können, - und sie möglicherweise nicht mal in ihrer Muttersprache zu hören bekommen, sondern auf Latein.

So haben Bilder in der Kirche eine lange Tradition und einen guten Sinn, angefangen von den großen Gemälden kirchlicher Kunst in den großen Domen bis hin zur kleinsten Dorfkirche, - bis hin zu Bilderbibeln, mit denen schon die Allerkleinsten mit den biblischen Geschichten vertraut werden. Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit, wir hatten im Kindergottesdienst so ein Heft, in dem jede biblische Geschichte des Kinder-Kirchenjahres in Kurzform aufgeschrieben war, und daneben gab es ein Bild, das wir dann selber ausmalen konnten, ich hab das immer gern gemacht. Fasziniert war ich auch von der großen, schweren Bibel bei Oma und Opa, mit den Bildern von Julius Schnorr von Carolsfeld, - heute nicht mehr unbedingt mein Geschmack, auf uns Kinder haben sie damals großen Eindruck gemacht.

Bilder sind natürlich auch im mancher Beziehung problematisch – wenn nicht gar gefährlich. Das wird uns gerade in der heutigen Zeit bewusst, - wo die Nachrichtensendungen im Fernsehen uns mit Bildern überfluten, - diese Bilder aber auch in höchstem Maße manipulieren können – oft ist nicht eindeutig zu klären, was sie eigentlich zeigen, - sie werden zu Propagandazwecken missbraucht.

Und das gilt auch sonst, - ein Bild suggeriert uns, es bilde die Wirklichkeit ab, - tatsächlich aber ist es nur die Vorstellung, die der Fotograf oder der Maler des Bildes sich von der Wirklichkeit gemacht hat.

Bilder zwingen zu einer gewissen Eindeutigkeit, wenn ich etwas male, muss ich mich entscheiden, wie ich es darstelle, - aber das darf ich nicht mit der Wirklichkeit selbst verwechseln, - das Bilderverbot in der Bibel hat darin ja seinen Grund, - dass wir Gott in seiner Wirklichkeit nie in ein Bild pressen können. Es ist Segen und Fluch der Bilder zugleich, dass sie unsere Vorstellungen prägen, aber eben auch falsche Vorstellungen einprägen können.

Und noch etwa anderes ist zu bedenken, das ist mir in einem Urlaub in Spanien bewusst geworden: Die großen Kirchen, die wir dort besichtigt haben, beherbergen eine Fülle von Bildern, weil sie auch eine Fülle von Seitenaltären beherbergen, - wo unendlich viele Heilige verehrt werden. Diese Heiligen und ihre jeweilige Geschichte, ihre Legende sind auf den Bildern dann jeweils dargestellt. Doch gerade diese Fülle verdeckt Christus, - ein Besucher dieser Kirchen, der von der christlichen Botschaft keine Ahnung hat, würde gerade durch diese Bilder ein vollkommen schräges Bild von dem bekommen, worum es in der biblischen Botschaft eigentlich geht. So können Bilder also auch vom Kern der Sache ablenken.

Deshalb hat die lutherische Kirche als Kirche des Wortes immer auch eine gewisse distanzierte Haltung zu den Bildern gehabt, - sie hat einerseits ihre unterstützende Funktion geschätzt, war aber immer auch sensibilisiert für die Gefahren.

(Bild2) Das Bild, das ich heute mitgebracht habe, ist eigentlich gar kein Bild, sondern die Abbildung eines Schnitzaltares von Tilman Riemenschneider, aus dem Heilig-Blut-Altar der St. Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber, - entstanden wohl im Jahr 1504, - also noch vor der Reformation( http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtkirche_St._Jakob_%28Rothenburg_ob_der_Tauber%29#mediaviewer/File:Rothenburg_ob_der_Tauber_018.JPG.)

Der zeigt auf dem linken Seitenflügel (Bild3/Bild4) diese Szene des Einzugs in Jerusalem. Der rechte Seitenflügel (Bild5) führt uns in den Garten Gethsemane, wo Jesus mit dem Vater im Gebet ringt: Ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Mit Jesus sind hier Petrus und Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, - sie waren es auch, die Jesus mitgenommen hatte auf den Berg der Verklärung. Das Hosianna und das „Kreuzige“ sind hier also eng auf einander bezogen. Die Szene in der Mitte des Altars (Bild6) zeigt das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern, hier erkennen wir den jungen Mann wieder, der beim Einzug ganz links hinter dem Esel dargestellt ist, - Johannes, als junger Mann ohne Bart dargestellt, so wie auch auf dem rechten Altarflügel.

Riemenschneider ist ein Meister des filigranen Rankwerks, - die Hände und Gesichter der Menschen und Faltenwurf ihrer Kleidung sind sehr aufwändig herausgearbeitet, - unten rechts (Bild7) sehen wir stellvertretend für die vielen aus der „sehr großen Menge“ einen, der seine Kleider auf dem Weg ausbreitet, um Jesus einen königlichen Empfang zu bereiten, deutlich erkennbar nur noch mit der Unterwäsche bekleidet: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“

Die „sehr große Menge“ drängt sich im Tor (Bild8), jeder will einen Blick auf Jesus erhaschen, ein alter Mann mit Hut ganz vorn, unten ein kleines Kind. Doch echten Jubel kann ich eigentlich nicht erkennen, die Gesichter wirken eher fragend: Wer ist der? „Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa“ - so die vorherrschende Meinung unter den Schaulustigen, seltsam verhalten und zurückgenommen gegenüber dem zunächst beschriebenen Jubel über den Davidssohn.

(Bild9) Noch weniger Jubel – so will es mir schienen – sieht man bei den Jüngern, die am linken Bildrand zusammengedrängt sind. Jesus hatte ihnen ja in deutlichen Worten angekündigt, was „Jerusalem“ für ihn bedeutet: Dass er dorthin geht, um zu sterben: „Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen.“ Petrus hatte sich seinem Plan vehement in den Weg gestellt, - doch Jesus hatte ihn ebenso vehement zurückgewiesen. Nun sehen wir nachdenkliche Gesichter, Jünger, die miteinander diskutieren, die versuchen, sich einen Reim auf das zu machen, was da geschieht.

Auch Jesus geht seinen Weg mit ernster Miene. „»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir - sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«“ So lautete die Verheißung des Propheten Sacharja. Den zweiten Esel hat Riemenschneider weggelassen, - aber deutlich ist zu erkennen, dass hier kein Feldherr nach siegreicher Schlacht und der Unterwerfung der Feinde im Triumphzug nach Jerusalem einzieht, sondern ein ganz anders gearteter König: sanftmütig, unbewaffnet, barfuß, ohne Prunk, - die Hand in segnender Geste erhoben, - keiner, der unterwerfen will, keiner, der Krieg führen will. Sondern einer, der jetzt schon die Ahnung davon spüren lässt, dass er in die Hände der Menschen überantwortet werden wird.

Interessant ist die kleine Figur direkt über Jesus, ein kleiner Mann auf einem Baum, der ebenfalls Augenzeuge werden will von dem, was sich da ereignet. Ganz zentral im Bild angeordnet - ist diese Figur sicher keine Randerscheinung. Ist das Zachäus? Zachäus, der Obere der Zöllner, schwer reich, aber von den Menschen verachtet, sprichwörtlich verdorben?! Aber nein, das kann ja nicht sein, Zachäus war ja in Jericho, nicht in Jerusalem. Und doch lässt sich der Gedanke nicht so leicht beiseite schieben, zu offensichtlich ist die Parallele. „Zachäus, steig eilend herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“

Ich komme von dem Gedanken nicht los, dass der Künstler in dieser Figur den entscheidenden Hinweis geben will, wie er selbst die Geschichte deutet: Mit der zentralen Szene vom letzten Mahl und dem Gebet im Garten Gethsemane auf dem rechten Altarflügel hat er deutlich herausgearbeitet, wer der ist, der da auf dem Esel durch das Tor reitet. Die kleine Gestalt – ich deute sie mal auf Zachäus – macht aber deutlich: es geht gar nicht so sehr darum, dass Jesus vor 2000 Jahren nach Jerusalem gekommen ist, sondern dass er heute in unser Haus kommt, in unser Herz. „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“ - so endet die Zachäusgeschichte, - „denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ So möchte Jesus heute also bei uns Einzug halten,- in unserem Herz, in unsrem Leben. Und wir fragen: Wie soll ich dich empfangen – und dürfen uns selbst die Antwort geben: „Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.“ Amen.