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13.9.2014 - 13.So.n.Trinitatis - 1.Korinther 3, 9-15 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext 7.9.2014, 12.So.n.Trinitatis: 1. Kor 3,9-15
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Liebe Gemeinde!

So schlecht hatte das gar nicht begonnen in Korinth, der großen und quirligen Hafenstadt im Nordosten der Pelleponés, im Süden Griechenlands, mit ihren etwa 50.000 Einwohnern. Eine ermutigende Erscheinung hatte Paulus des nachts dort, nachdem er zunächst auf viel Ablehnung gestoßen war: „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt“, hatte Gott zu ihm des nachts gesagt.

Eineinhalb Jahre blieb der Apostel daraufhin noch in der Stadt, predigte, lehrte das Wort Gottes, und es entstand allmählich tatsächlich eine Gemeinde. Wir erfahren ein wenig darüber in der Apostelgeschichte1, in dem Bericht über die zweite Missionsreise. Wobei der Titel „Missionsreise“ ja eher an einen umherreisenden Apostel denken lässt, - tatsächlich aber war er an den einzelnen Stationen oft etliche Monate oder wie hier sogar eineinhalb Jahre.
Das ist eine Zeitspanne, in der Beziehungen entstehen, Freundschaften, - und in der auch gewisse Strukturen aufgebaut werden können, in denen eine Gemeinde leben kann. Da geht es um Gemeindeaufbau im ganz wörtlichen Sinn. „Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.“ Das Bild vom Ackerfeld vertieft Paulus hier – in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth – nicht weiter, aber das Bild von der Baustelle, das entfaltet er ein wenig näher.
Wenn er jetzt nach Korinth schaut, mag ihn ein leichtes Grausen überkommen. Was ist nur aus der Gemeinde geworden, die er gegründet und aufgebaut hat?! Was aus seiner Missionsarbeit, seinem Lebenswerk?! Andere sind gekommen, nachdem Paulus weitergezogen ist, das ist ja ganz natürlich: Einer gründet, andere bauen darauf auf. Gute und begabte Leute waren das zumeist, zweifellos, und haben die Gemeinde geführt. Apollos etwa soll ein mitreißender Redner gewesen sein, mit scharfem Verstand und einer Art zu argumentieren, der man nicht viel entgegenhalten konnte. Diese Männer haben offenbar ganz unterschiedliche Impulse in die Gemeinde hineingetragen. Jeder von ihnen hat bestimmte Themen und Aspekte hervorgehoben, und jeder hat damit auch Anhänger in der Gemeinde gefunden, - aber das hat dazu geführt, dass sich einzelne Gruppen oder Cliquen gebildet haben, die sich nun als Konkurrenten fast feindselig gegenüberstanden.

Wir gehören zu Apollos“, betonten die einen, „wir gehören zu Kephas“, hatte andere sich auf die Fahnen geschrieben, und wieder andere betonten: „Wir gehören zu Paulus“. Oft gab es nun Streit in der Gemeinde, das Klima war vergiftet, in vielen Fragen des gemeindlichen Lebens war man uneins. Eifersucht und Misstrauen hatten sich breit gemacht, - gegenseitig versuchte man, den Ruf des jeweils anderen zu beschädigen, - und das, worum es eigentlich ging, Christus zu verkündigen und ein Leben in seinem Geist zu führen, zum Lobe Gottes, das blieb auf der Strecke. Aber noch war man beieinander, noch konnte Paulus einen Brief an alle schreiben.

Wer sind wir eigentlich, fragt Paulus nun, - und ich denke, er stellt sich diese Frage, um einerseits seine eigene Position für sich und für die Gemeinde zu klären, andererseits aber auch den nötigen Abstand zu gewinnen, loszulassen, der Gemeinde zu ermöglichen, ihren eigenen Weg zu finden. Und gibt sich selbst die Antwort: Mitarbeiter Gottes sind wir, - in jeweils unterschiedlichen Funktionen. Ich habe den Grund gelegt, andere bauen auf diesem Fundament weiter, jeder auf seine Art und mit seinen Möglichkeiten, aber alle bauen an dem einen Haus. Und jeder trägt dabei Verantwortung für den Teil, den er selber dazu beiträgt.

Paulus ist sich seiner besonderen Rolle in dieser Baugeschichte sehr bewusst: „Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf.“

In unserer Kirche ist unter Pastoren und Gemeindegliedern gelegentlich eine fast schon allergisch zu nennende Reaktion gegen Begriffe wie „Konzept“ oder „Vision“ - bzw. gegen das dahinterstehende Denken anzutreffen. (Auch in unserer kleinen Kirche uns gibt es also gewisse Flügelkämpfe, ähnlich wie einst in Korinth.) Ich finde diese distanzierte Haltung seltsam, - denn ein „weiser Baumeister“ muss doch – bevor er anfängt, den Grund zu legen – eine gewisse Vorstellung, eine Vision oder ein Konzept davon haben, wie das Gebäude später mal sein soll, was auf diesem Fundament gebaut wird. Selbst dann, wenn er selber für diesen Bau dann nicht mehr zuständig ist, - wie das ja bei den großen Kirchbauten oft der Fall war, - wenn die Bauzeit sich über mehrere Generationen hinzog.

Als „weiser Baumeister“ muss ich mich doch fragen: Was für ein Gebäude baue ich denn da? Ein Privathaus – oder ein öffentliches Gebäude? Eine Fabrikhalle – oder ein Schloss? Wird es groß, oder eher klein. Protzig – oder bescheiden? Welchem Zweck soll es dienen? Was darf es kosten. - Dass das Gebäude im Nachhinein dann doch vielleicht ganz anders wird, als ursprünglich mal angedacht, ist gar nicht so selten und ist auch kein Schade, - manches ergibt sich ja erst im Verlauf des Bauens. So manche Kirche wurde mit einem hohen Turm aus Stein geplant, doch dann ging den Erbauern das Geld aus, und es blieb bei einer kleinen Glockenstube aus Fachwerk. Und dennoch gab es am Anfang einen Plan, eine Vorstellung, eine Idee, gab es genaue Überlegungen, was denn da auf dem Fundament einmal stehen wird.

Wenn Paulus sich also eineinhalb Jahre in Korinth aufhält, um eine Gemeinde aufzubauen, - dann wird er sich als „weiser Baumeister“ relativ frühzeitig Gedanken darüber gemacht haben: Was bedeutet es eigentlich, dass eine christliche Gemeinde in dieser großen Stadt entsteht? Wie lebt sie? Und wovon? Wo trifft sie sich? Was kann oder muss unterstützend getan werden, dass sie von Dauer ist? Was brauchen die jungen Christen, um sich in dieser multikulturellen und multireligiösen Großstadt behaupten zu können? Welche Strukturen müssen wir aufbauen? Was machen wir, wenn die Gemeinde wächst? Wie kann es gelingen, Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenzuhalten? Und Judenchristen und Heidenchristen mit ihren jeweils ganz unterschiedlichen religiösen Traditionen und Prägungen?!

Und, viel wichtiger noch: Was ist eigentlich die Aufgabe einer Gemeinde in einer solchen Stadt? Was hat Gottes Geist mit uns vor, hier an diesem Ort? Und welche Gaben hat er uns dafür gegeben?

Für Paulus ist dann zunächst mal klar: Auf den tragfähigen, belastbaren Grund kommt es an, - und diesen Grund zu legen, das war meine Aufgabe. Das aber kann kein anderer sein als Jesus Christus, als die Botschaft: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für uns alle in den Tod dahingegeben hat, - Jesus Christus hat unsere Sünde ans Kreuz getragen, und er ist von Gott wieder lebendig gemacht worden, damit wir leben.

Diesen Grund hat der Apostel gelegt, - das hat er gepredigt, vertieft, entfaltet, das ist der Same, den er in den Acker gelegt hat, und aus dem die Gemeinde gewachsen ist. Nur auf diesem Grund, der jedes „Besser“ und „Schlechter“ ausschließt, jeden Gedanken daran, dass einer mehr geliebt sei vor Gott oder wertvoller in seinen Augen, macht das Experiment Kirche überhaupt erst möglich. Darum liegt alles daran, dass dieser Grund fest steht.

Dann kann Paulus auch in aller Gelassenheit zuschauen, wie andere nach ihm kommen, die Pflanze weiter zu hegen, den Bau weiter voranzubringen, - das liegt nun nicht mehr in der Hand des Apostels, - nur dass sie auf dem Grund bleiben, der gelegt ist, dafür will er kämpfen und zurecht bringen, was aus dem Ruder läuft. - Und die Parteiungen, die rütteln eben an diesem Grund, weil sie irgendwie immer von dem Gedanken getrieben sind, die einen hätten die Wahrheit besser erkannt als die anderen, wären näher dran an Gott – und genau das hat das Potential, die Einheit der Kirche zu zerstören.

Dann aber redet Paulus doch noch von einem „Besser“ und „Schlechter“, allerdings nur im Blick auf den Wert des Beitrages, den ein jeder zum Aufbau der Gemeinde leistet: „Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.“ Hier ist vom Scheitern und von Misserfolgen die Rede, - und davon, dass Fehler erlaubt sind, - es muss in der Kirche, in der Gemeinde nicht alles gelingen.

Denn der Wert eines Menschen hängt nicht an seinem Erfolg, - am Wert seiner Arbeit, anders als das heute weit verbreitet ist. „Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ Das tut weh, wenn man sieht, wie das eigene Lebenswerk sich in Rauch auflöst, keinen Bestand hat. Aber ich werde nicht gerettet durch den Wert meiner Arbeit, durch das Gelingen meiner Ideen, sondern ich bin gerettet durch Christus. Wir dürfen Fehler machen und aus ihnen lernen, - wir dürfen Scheitern, - unser Heil stellt das nicht infrage. Und ob das, was ich für den Bau der Gemeinde getan habe, Gold oder Edelstein ist, - oder nur Holz und Stroh, das darf ich getrost dem Urteil Gottes überlassen. Amen.

1Apostelgeschichte 18